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Dieses Thema hat 43 Antworten
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 Stories & Fantasie
Seiten 1 | 2 | 3
peter5886 Offline

Admin


Beiträge: 1.078

28.01.2010 12:26
#31 RE: Folge 13: Die Bankfiliale in Bad Musterheim Zitat · antworten

Danke, Skijacke!

Das ist doch mal eine Motivation!





An die anderen:

Noch einmal der Hinweis: dies ist eine interaktive Geschichte. Es geht mir nicht darum, dass ihr mich alle lobt, aber ich würde mich freuen, wenn ihr Fragen, Kommentare oder Kritiken postet. Ich würde das alles als inhaltliche Anregungen für die nächsten Folgen nutzen.

Peter

Uhrzeit

peter5886 Offline

Admin


Beiträge: 1.078

12.02.2010 20:58
#32 Folge 14: Arno Zitat · antworten

Ich ließ ein anderes Auto vor mir einscheren, damit ich nicht direkt hinter Maikes Auto fuhr, um nicht aufzufallen. Ich musste aber höllisch aufpassen, da ich ihr Auto auf keinen Fall aus dem Blickfeld verlieren wollte.

Die Fahrt ging aus dem Zentrum hinaus auf eine Autobahn-ähnlich ausgebaute, städtische Schnellstraße in Richtung stadtauswärts. In dem Augenblick fiel mir ein, dass ich vergessen hatte, dem Kommissar vorhin von Maikes Auto zu erzählen. Verdammt! Ich nahm mein Handy, um den Polizeinotruf zu wählen. Es fiel mir jedoch aus der Hand, als ich hart bremsen musste, weil ein LKW dicht vor mir einscherte. Er versperrte nun auch den Blickkontakt zu Maikes Auto und zu allem Überfluss stellte ich fest, dass mein Handy unter den Beifahrersitz gerutscht war.
Ich scherte nach links aus, um den LKW zu überholen. Dabei übersah ich einen anderen gerade überholenden PKW, dessen Fahrer mit Hupe und Lichthube reagierte. Ich trat auf das Gaspedal. Auf einmal fuhr ich direkt neben Maikes Auto. Der Fahrer schaute zu mir herüber, für einen Sekundenbruchteil sah ich ihm direkt in die Augen – und ich erkannte den Mann, dessen Fahndungsbild gestern in der Zeitung war.
Um keinen Verdacht zu erregen, gab ich weiter Gas und scherte vor ihm wieder ein. Da ich sowohl auf Maikes Auto hinter mir als auch auf den übrigen Verkehr achten musste, konnte ich leider nicht mein Handy unter dem Beifahrersitz hervorkramen.
Mir ging durch den Kopf, was mit Maike passiert sein könnte. Ich habe zuletzt in der ersten Pause mit ihr telefoniert, das war kurz nach halb 10. In der zweiten Pause, etwa um 11:15 Uhr, hat sie meinen Anruf weggedrückt. Oder war das vielleicht jemand anders? Die Schießerei bei der Bank muss also kurz nach halb 10 gewesen sein und eine Stunde später wurde mein Anruf weggedrückt. Entweder habe ich Maike gerade bei der Verfolgung gestört oder sie wurde von den Kriminellen geschnappt und einer von denen hat meinen Anruf weggedrückt und Maikes Handy dann ausgeschaltet. Verdammt! Maike muss von denen geschnappt worden sein, sonst würde dieser Fremde ihren Autoschlüssel jetzt nicht haben!

Wir waren mittlerweile außerhalb von Bad Musterheim. Ich sah das Hinweisschild auf einen Parkplatz und entschied, kurz von der Straße ab und gleich wieder aufzufahren, um wieder hinter Maikes Auto zu sein. Als ich den rechten Blinker setzte, stellte ich zu meinem Schrecken fest, dass der Fahrer von Maikes Auto es mir gleich tat.
Ich fuhr auf den Parkplatz und hielt auf einem der vielen freien Parkplätze an. Maikes Auto fuhr an mir vorüber. Da andere Fahrzeuge auf dem Parkplatz die Sicht versperrten, konnte ich nicht sehen, ob und wo Maikes Auto geparkt wurde.
Ich kramte mein Handy unter dem Beifahrersitz hervor. Als ich wieder aufschaute, blieb mir vor Schreck fast das Herz stehen, als ich sah, dass der Fremde neben meinem Auto stand und mich durch das Seitenfenster anstarrte.

„Hab’ keine Angst! Ich weiß, warum du hier bist!“
Ich verriegelte die Seitentür und kurbelte das Fenster einen Spalt hinunter.
„Wo haben Sie Maikes Auto her? Was haben Sie mit Maike gemacht?“ fragte ich mit zittriger Stimme.
„Du musst Paula sein“, sagte der Fremde.
„Ja! Was haben Sie mit Maike gemacht?“ fragte ich erneut.
„Deine Freundin wurde entführt. Sie war wohl zur falschen Zeit am falschen Ort“, sagte der Fremde.
„Tun Sie nicht so unschuldig! Sie sind doch einer von denen! Sie haben die Gelder in der Bank abgeholt! Ich werde jetzt die Polizei rufen!“ rief ich.
„Nein, bitte nicht! Warte! Lass mich erklären!“ bettelte der Fremde.
Ich merke am Tonfall und am Gesichtsausdruck, dass er völlig verzweifelt war.
„Na gut! Aber ich werde nicht aussteigen. Eine falsche Bewegung von Ihnen und ich wähl’ die 110!“
„In Ordnung“, sagte der Fremde, „ich heiße Arno. Vor etwa einem halben Jahr habe ich meinen Job als Hausmeister verloren und mich seitdem immer wieder erfolglos beworben, bis ich schließlich ein Inserat für einen Job als Geldkurier fand. Es war nur ein 400 €-Job, aber es schien ein einfacher Job zu sein: ich sollte Western Union-Zahlungen abholen, auf mein Konto einzahlen und anschließend auf ein anderes Konto überweisen. Da ich auch Frau und Kind habe und meine Frau nur einen Halbtagsjob als Kassiererin hat, bewarb ich mich und wurde prompt genommen.“
„Geld abholen und wieder einzahlen? Kam Ihnen das nicht komisch vor?“ fragte ich.
„Ich habe telefonisch nachgefragt. Sie sagten, es handele sich um Zahlungseingänge von Onlinegeschäften, und erklärten dieses Vorgehen mit Steuervorteilen.“
„Was waren das für Leute?“ fragte ich.
„Ich hab’ zunächst nur telefonischen Kontakt gehabt. Die haben mir meinen Arbeitsvertrag geschickt. Ich sollte ihn gegenzeichnen, meine Bankdaten angeben und ihn zurückschicken. Da alles zunächst gut lief, hab’ ich keine weiteren Fragen gestellt. Die haben mich mehrmals in der Woche angerufen, um mir die Transaktionsnummern zu geben, ich habe das Geld abgeholt und weitergeleitet und mein Gehalt wurde stets pünktlich zum Monatsende überwiesen. Als ich dann gestern die Zeitung aufschlug, sah ich mein Fahndungsfoto!“
„Warum sind Sie dann nicht zur Polizei gegangen? Sie sind doch Opfer und kein Täter“, sagte ich.
„Ich habe erst bei meinem Arbeitsgeber angerufen. Wenn ich zur Polizei gehe oder irgendjemandem etwas sage, würden die meiner Frau und meinen Sohn etwas antun, haben die gesagt!“
„Haben die Ihre Familie etwa entführt?“ fragte ich entsetzt.
„Nein, aber die wissen, wo ich wohne, wo meine Frau arbeitet und wo mein Sohn zur Schule geht“, sagte Arno verzweifelt, „ich sollte erstmal das Haus nicht verlassen und auf weitere Anweisungen warten. Heute Mittag bekam ich einen Anruf, dass ich an die Straße kommen soll. An der Straße stand ein VW-Bus. Eine vermummte Person stieg aus und gab mir einen Autoschlüssel. Dann öffnete er die seitliche Schiebetür des Busses, im Bus war ein gefesseltes Mädchen in deinem Alter, das muss Maike gewesen sein. Mit vorgehaltener Waffe zwang der Vermummte deine Freundin mir zu sagen, wo ihr Auto steht. Sie rief immer, dass Paula mit der Polizei kommen werde. Deshalb hab’ ich auch gleich geahnt, dass du Paula bist. Ich sollte Maikes Auto abholen und zu einer Adresse am Stadtrand fahren. Tja, und dann bist du mir aufgefallen. Ich bin froh, dass ich dich noch davon abhalten konnte, die Polizei zu rufen, oder hast du sie schon gerufen?“
„Ich hab’ sie nicht angerufen, aber bei der Bank in Bad Musterheim hab’ ich mit einem Kommissar gesprochen“, sagte ich.
„Was war denn bei der Bank?“ fragte Arno. Ich erzählte von Maikes Plan mit den 10 € und der Schießerei bei der Postbank in der Fußgängerzone.
„Mein Gott! Dass das Betrüger sind, war mir klar, aber Mörder...“
„Was machen wir jetzt?“ fragte ich.
„Ich wüsste da was, aber da musst du mir helfen“, sagte Arno.
...

Uhrzeit

skijacke ( gelöscht )
Beiträge:

14.02.2010 18:47
#33 RE: Folge 14: Arno Zitat · antworten

Meine Herrschaften, Hut ab, der Peter gibt sich hier ja die allergrößte Mühe eine reale Geschichte hier niederzuschreiben.
Das Angagement ist wirklich mehr als Lobenswert.
Vielen Dank hierfür und ich glaube, die die es lesen, freuen sich schon auf eine Fortsetzung
Gruss skijacke

Was gibt es schöneres, als unser Hobby?

Nicki Little Offline




Beiträge: 814

14.02.2010 20:08
#34 RE: Folge 14: Arno Zitat · antworten

ich weiß ja auch, dass wir das nicht sollen, aber an dieser stelle muss ich das einfach mal sehr lobenswert finden, wie peter sich da rein hängt. so langsam wird mir auch klar, warum paula sich nicht mehr bei mir gemeldet hat...

auch 2010 gibt es wieder schöne überaschungen auf http://www.kway-nicki.de

peter5886 Offline

Admin


Beiträge: 1.078

15.02.2010 21:22
#35 RE: Folge 14: Arno Zitat · antworten

Zitat von Nicki Little
ich weiß ja auch, dass wir das nicht sollen[...]

Hallo, Nicki! Hallo, Skijacke!

Ich bin froh, dass hier überhaupt jemand Kommentare postet! Vielen Dank! Haut 'rein!

Peter

Uhrzeit

peter5886 Offline

Admin


Beiträge: 1.078

20.02.2010 11:20
#36 Folge 15: Das Versteck Zitat · antworten

In dem Augenblick klingelte Arnos Handy. Er schaute auf das Display.
„Das ist meine Frau“, sagte er und nahm den Anruf an.
„Hallo, Schatz! — Ja! — Die Polizei war da? — Nein, nein! — Mach' dir darum... — Beruhig’ dich mal! Mach' dir darum keine Sorgen! — Ja! — Ja, ich werde das klären!“
„Die Polizei war bei Ihnen zu Hause?“ fragte ich.
„Ja, Verdacht auf Mittäterschaft. Jemand hat mich wohl auf dem Fahndungsfoto erkannt. Wir haben nicht viel Zeit!“
„Eine Frage noch! Ich habe auch bei Glanztempel bestellt. Die Western Union-Zahlung sollte an einen Volker Hollbusch gehen...“
„Ich weiß! Die haben mir eine Vollmacht ausgestellt, damit ich in seinem Namen die Zahlungen abholen kann. Wir müssen jetzt los! Hilfst du mir?“
Ich stieg aus und sagte:
„Ja, es geht ja auch um Maike.“
Wir gaben uns die Hand. Wir tauschten dann unsere Handynummern aus und Arno schrieb mir die Adresse auf, die er bekommen hatte, dann wies Arno mich an, hinter ihm herzufahren.

Schon an der nächsten Ausfahrt fuhren wir von der Schnellstraße ab, auf dem Ortsschild stand „Bad Musterheim – OT Musterstedt“. Der Ortsteil Musterstedt erwies sich als tristes Industriegebiet.
Mein Handy klingelte, es war Arno:
„Paula, die Adresse, die die mir gegeben haben, ist in diesem Industriegebiet. Halt' am besten am Straßenrand an und warte. Ich will nicht, dass die dich sehen. Ich ruf’ wieder an, wenn ich da bin.

Ich hielt am Straßenrand in der Nähe einer Imbissbude an. Da fiel mir ein, dass ich seit heute morgen nichts gegessen und nichts getrunken hatte. Ich hatte vor Aufregung zwar keinen Hunger, aber ich entschloss mich mir zumindest etwas zu trinken zu kaufen.
Ein paar Leute standen vor der Imbissbude und unterhielten sich. Ich ging an die Bude und bestellte eine Halbliterflasche Mineralwasser.
Als ich trank, merkte ich erst, wie durstig ich war. Die Flasche war in null Komma nichts leer!

„...einfach unser’n Kumpel erschossen, die Schweine...“
Dieser Gesprächsfetzen erreichte mich aus der Gruppe dunkler Gestalten, die auch vor der Bude stand. Ich lauschte:
„Ihr alter Unterschlupf war in Musterstadt. Jetzt verstecken die sich hier in einer verlassenen Lagerhalle.“
„Wie viele sind drin?“
„3 oder 4 und die sind bewaffnet.“
„Das sind wir auch! Packen wir’s an!“
Die fünf Männer gingen Richtung Straße.

In dem Augenblick war mir egal, was Arno gesagt hatte. Eine Schießerei, in der Maike, Arno oder jemand anders verletzt oder getötet werden könnten, wollte ich auf jeden Fall verhindern und rief mit meinem Handy die Polizei an. Ich gab die Adresse durch, die Arno mir gegeben hatte, und bat darum, Kommissar Lehmann zu informieren.
Während ich noch mit der Polizei telefonierte, zeigte mein Handy an, dass Arno anrief. Ich hatte keine andere Wahl als aufzulegen und Arnos Anruf anzunehmen.

„Paula, ich steh’ jetzt mit Maikes Auto vor der Lagerhalle, ich soll hineinfahren. Wenn du in 10 Minuten nichts von mir hörst, ruf’ die Polizei und geb’ denen die Adresse.“
„Arno! Ich hab’ ein paar Typen gesehen, die das Versteck stürmen wollen. Die haben Waffen! Die Polizei hab’ ich schon gerufen.“
„Verdammt! Du, ich muss jetzt Schluss machen.“ Klick!

Ich konnte nicht einfach so herumstehen und schlich den bewaffneten Männern hinterher.
...

Uhrzeit

peter5886 Offline

Admin


Beiträge: 1.078

02.03.2010 11:20
#37 Folge 16: Lebensgefahr Zitat · antworten

Die Männer gingen ein Stück an der Straße entlang, bogen dann jedoch in einen schmalen Weg zwischen zwei Gebäuden ab. Der Weg war matschig und voller Scherben und zertretener Getränkedosen, an den verdreckten Wänden lehnten verrottende Holzpaletten und Transportkisten. Ich wartete, bis die Typen am Ende des Weges verschwunden waren, bevor ich hinterher schlich, um nicht gesehen zu werden. Am Ende des Weges fand ich einen verlassenen Schrottplatz vor, auf dem viele vor sich hin rostende, verbeulte Fahrzeuge und Fahrzeugteile standen bzw. aufgetürmt waren.
Geduckt lief ich zu einem der Autowracks und beobachtete, wie die fünf Männer auf eine Lagerhalle zugingen. Da ich durch das offene Hallentor Maikes Auto sah, musste es sich um das besagte Versteck handeln.

Was soll ich nur machen? Ich kann es unmöglich mit fünf bewaffneten Männern aufnehmen! Eine Ablenkung! Das müsste klappen!
Ich hob ein rostiges Metallteil vom Boden auf, warf es in Richtung eines Schrotthaufens und versteckte mich hinter dem Autowrack. Als das Metallteil mit einem lauten Poltern auf den Schrotthaufen traf, drehten sich die Männer augenblicklich um und holten Pistolen hervor.

Auf einmal erschien ein Typ mit Basecap im Hallentor und schrie:
„Was habt ihr hier zu suchen?“
Die Männer richteten ihre Pistolen auf ihn. Ich konnte nicht verstehen, was sie sagten. Sie verschwanden in der Halle.
Ich schlich mich von Autowrack zu Autowrack, bis ich an der Halle war. Ich traute mich jedoch nicht hineinzugehen und ging seitlich an der Halle entlang. In der Wand waren vereinzelt Fenster, die für mich jedoch zu hoch waren. Ich fand aber einige Ölfässer unterhalb eines Fensters. Ich stieg auf die Fässer und schaute vorsichtig durch das Fenster in die Halle.
Die fünf Männer standen mit vorgehaltenen Waffen am einen Ende der Halle, einer von ihnen hielt den Typen mit Basecap fest und zielte mit seiner Pistole auf dessen Kopf. Die Betrüger – es waren vier Männer – standen am anderen Ende der Halle. Zwei zielten mit Maschinenpistolen auf die fünf anderen, einer hatte eine Pump Gun auf Maike und Arno gerichtet, die auf Stühle gefesselt waren. Einer führte gerade ein Handytelefonat.
„Maike!“ murmelte ich erschrocken.

„Leute, wir haben bessere Waffen und mehr Geiseln. Ich glaube, ihr solltet eure Pistolen auf den Boden legen und euch ergeben, bevor noch jemand zu Schaden kommt!“
„Ihr seid so gut wie erledigt! Gestern stand etwas über euch in der Zeitung! Die Bullen sind euch auf den Fersen!“
„Ach ja? Und ihr? Eine kriminelle Jugendbande? Ihr solltet euch nicht mit Profis wie uns anlegen!“

Der mit dem Handy beendete sein Telefonat und sagte:
„Der Boss will, dass wir hier sofort verschwinden und keine Spuren hinterlassen! Wir sollen zuerst die Geiseln töten!“
„Nein!“ schrie ich. Einer der Betrüger schoss mit seiner Maschinenpistole in meine Richtung. Ich sprang sofort von den Fässern und warf mich zu Boden. Die Kugeln zertrümmerten das Fenster, an dem ich eben noch gestanden hatte. Ich hörte weitere MP-Schüsse aus der Halle. Als nächstes hörte ich mehrere Martinshörner näherkommen.

Mehrere Streifenwagen mit Blaulicht tauchten vor der Halle auf. Eine Megaphonstimme ertönte:
„Polizei! Das Gebäude ist umstellt! Kommen Sie mit erhobenen Händen heraus!“
Auf einmal stand ein Polizist in einer kugelsicheren Weste und mit einem Maschinengewehr in der Hand hinter mir und fragte:
„Was zum Teufel hast du hier zu suchen? Das hier ist kein Spielplatz!“
Ich stand auf und sagte:
„Ich habe Sie angerufen. Meine Freundin ist in der Halle.“
„Einsatz beendet!“ rief die Megaphonstimme dann.

Ich ging mit dem Polizisten zum Schrottplatz vor der Halle. Da war auch Kommissar Lehmann.
„Frau Müller! Sie können es nicht lassen oder?“ fragte er.
„Was hätte ich denn tun sollen? Ist der Einsatz schon vorbei?“
„Tja, das hier ist die Realität und nicht Cobra 11!“ sagte der Kommissar mit einem Lächeln.
Ich sah, wie Polizisten Maike und Arno aus der Halle zu einem Rettungswagen führten.
„Maike!“ rief ich und rannte zu ihr, wir umarmten uns. Maike zitterte am ganzen Körper, sie murmelte:
„Ich dachte, ich würde sterben!“
„Entschuldigung! Ihre Freundin steht unter Schock“, sagte ein Sanitäter.
„Vielen Dank, Paula! Du hast uns das Leben gerettet“, sagte Arno.

Während sich Sanitäter um Maike und Arno kümmerten, sah ich, wie die fünf Jugendlichen abgeführt wurden.
„Herr Kommissar Lehmann, da waren noch vier weitere Männer in der Halle“, sagte ich.
„Wir haben nur die hier in der Halle gefunden. Die Bande besteht also aus neun Personen?“ fragte der Kommissar.
„Nein! Die vier sind die Betrügerbande! Das hier sind Freunde von dem, der heute in der Bank angeschossen wurde!“, sagte ich.
„Ich werde sofort eine Ringfahndung anordnen!“ sagte der Kommissar und eilte zu seinem Dienstwagen.
...

Uhrzeit

peter5886 Offline

Admin


Beiträge: 1.078

24.03.2010 16:48
#38 Folge 17: Maikes Odyssee Zitat · antworten

Die Polizisten begannen die Lagerhalle nach Spuren abzusuchen. Kommissar Lehmann nahm meine Zeugenaussage auf. Nach einer Weile klingelte sein Handy:
„Lehmann! — Ja, und? Habt ihr sie? — Verdammt! Wir waren so nah dran!“
„Was ist? Sind die entkommen?“ fragte ich.
„Die Ringfahndung war erfolglos. Das sind halt Profis! Wir vermuten schon lange, dass es eine international agierende Organisation ist, die auch mit Drogenhandel und Falschgeld zu tun hat.“

Kommissar Lehmann erlaubte mir dann nach Hause zu fahren.
Als ich am späten Nachmittag beim Studentenwohnheim in Musterburg ankam und auf dem Parkplatz parkte, kam Christian mit besorgter Miene zu mir gerannt. Er nahm mich fest in den Arm.
„Paula, ich hab’ mir solche Sorgen gemacht!“ murmelte er.
„Alles gut gelaufen. Maike ist auch in Sicherheit. Nur leider konnten die Verbrecher entwischen“, sagte ich.
„Lass uns ’reingehen. Ich werde dir was zu essen machen.“

Später gegen Abend erzählte ich Christian, was ich in Bad Musterheim erlebt hatte. Da klopfte es an der Tür.
„Herein!“ rief ich. Thorsten kam herein und reichte mir meine Laptop-Tasche.
„Hier, Paula! Den hast du heute morgen im Seminarraum stehen lassen.“
„Oh! Danke! Den hab’ ich ja gar nich’ mehr auf dem Zettel gehabt!“
„Ich freu’ mich, dass es dir gut geht. Wo ist Maike?“ fragte Thorsten.
„Sie wurde mit einem Schock ins Krankenhaus gebracht. Wir sollten sie morgen nach der Uni besuchen,“ sagte ich.
„Gute Idee! Ich bin dabei“, sagte Thorsten, „weißt du, in welches Krankenhaus sie gebracht wurde?“
„Äh! Nee, das weiß ich gar nicht“, antwortete ich.
„Ich schätze, sie wurde in die psychiatrische Station im Kreiskrankenhaus Bad Musterheim eingeliefert. Ich werde mich morgen mal erkundigen“, sagte Christian.

Abends rief ich noch meine E-Mails ab und las in einer Mail von Nicki, dass der DJ aus Musterstadt im Gefängnis gesessen hatte und nie in Gefahr gewesen war! Ich schrieb Nicki eine Antwort.

Als ich am nächsten Tag aus der Uni zurückkam, erlebte ich eine Überraschung: auf dem Flur im Wohnheim traf ich Maikes Vater Hansi. Er ergriff meine Hände, drückte sie und sagte:
„Paula! Maike hat mir alles erzählt! Ich weiß nicht, wie ich dir danken soll!“
„Na ja! Ich hatte auch viel Glück. Ist Maike da?“ fragte ich.
„Ja, sie war über Nacht zur Beobachtung im Krankenhaus. Sie wurde heute morgen wieder entlassen. Geh’ ruhig zu ihr! Ich komme auch gleich!“
Ich ging zu Maikes Zimmer, die Tür stand offen. Maike und eine etwa 25-Jährige saßen auf dem Bett und unterhielten sich.
„Hi, Paula!“ sagte Maike. Die 25-Jährige stand auf und sagte:
„Paula, schön, dass wir uns endlich mal persönlich kennenlernen! Ich bin Tracy!“
„Hi, Tracy! Ich erkenne dich. Maike hat mir mal ein Foto gezeigt.“
Wir schüttelten uns die Hand. Dann setzten wir uns alle auf’s Bett.
„Find’ ich ja toll, dass euer Vater angereist ist“, sagte ich.
„Ich habe Papa gestern vom Krankenhaus aus angerufen. Er hat sich sofort in Berlin auf den Weg gemacht. Kurz vor Mitternacht war er da“, sagte Maike.
„Ich bin erst vor ein paar Minuten eingetroffen“, sagte Tracy.
„Und eure Mutter ist nicht gekommen?“ fragte ich.
„Mama kann nicht eben mal schnell herkommen, sie lebt in den USA. Unsere Eltern sind geschieden“, antwortete Maike.
„Mama stammt ja aus Pittsburgh, Pennsylvania. Unsere Eltern haben sich an der Harvard-Uni kennen gelernt“, sagte Tracy, „Mama hat übrigens meinen Namen ausgesucht.“

„Maike, geht’s dir denn wieder gut? Du warst ja gestern ganz aufgelöst“, sagte ich.
„Mir geht’s schon wieder ganz gut. Der Psychiater hat mir noch ein paar Sitzungen bei einem Psychologen verordnet. Ich halt’s für überflüssig, aber schaden kann’s ja nicht.“
„Wie kommt’s eigentlich, dass du entführt wurdest?“ fragte Tracy.
„Ich war heute Vormittag mit Papa bei der Polizei. Ich erzähl’ dir mal, was ich auch denen erzählt hatte. Nun, das mit der Western Union-Zahlung hab’ ich ja schon erwähnt. Ich habe mich dann im Internet erkundigt, wo man in Bad Musterheim Western Union-Zahlungen abholen kann, und bin gleich am nächsten Tag, also gestern morgen, hingefahren. Es war kurz nach 9, als ich bei der Fußgängerzone in Bad Musterheim ankam. Ich parkte auf dem nächst gelegenen Parkplatz und ging dann zu Fuß zum Postbank-Finanzcenter. Ich ging erst mal hinein, um zu sehen, wo die Western Union-Formulare auslagen. Dann ging ich wieder nach draußen und behielt den Kasten durch die Glasfassade im Auge. Als ich dort wartete, hast du mich ja angerufen, Paula. Während wir telefonierten, sah ich, wie ein junger Mann ein Formular aus dem Kasten nahm. Dann ging alles Schlag auf Schlag...“


„Was fällt Ihnen ein! Vorsicht! Er hat eine Waffe!“ hörte ich hinter mir.
Ich drehte mich um und sah eine vermummte Person mit einer Pistole in der Hand. Er blieb direkt neben mir stehen und zielte durch die Glasfassade in den Innenraum der Bank. Ich sprang vor Schreck zurück, fiel zu Boden und hielt mir die Ohren zu. Er schoss, mit einem Klirren zersprang eine Scheibe in der Glasfassade. Ein Aufschrei ging durch die Menge und alle Leute vor der Bank zogen den Kopf ein, ein Vater bückte sich schützend über sein Kind. Ich sah, wie der junge Mann mit dem Western Union-Formular in der Hand zu Boden sank, im selben Moment sprang die Alarmanlage in der Bank an. Der Schütze rannte sofort weg und ich hinterher.
Er rannte durch die Fußgängerzone, dann zwischen zwei Gebäuden eine Treppe ’runter, wo an der Straße ein VW-Bus mit laufendem Motor stand. Der Schütze zog sich den Strumpf vom Kopf, aber dann drehte er sich um und sah mich auf der Treppe stehen.
„Hey!“ rief er. Ich drehte mich sofort um und wollte die Treppe wieder ’rauflaufen, aber da ich völlig außer Atem war, holte mich der Typ ein und schleifte mich in den Bus.
„Setz’ dich hin und keinen Mucks!“ rief er mit vorgehaltener Waffe. Er zog die Seitentür zu und wir fuhren los. Da ich mich gegen die Fahrrichtung hinter den Fahrersitz setzen musste, konnte ich nicht sehen, wer fuhr oder wohin die Fahrt ging.

Nach einer Weile hielten wir an, der Fahrer führte ein Telefonat und sagte:
„Wir sollen erstmal warten. Fessel’ die Kleine!“
Der Typ klebte meine Hände und Füße mit Paketklebeband zusammen. Da ich nicht erschossen werden wollte, leistete ich keinen Widerstand.
Ich weiß nicht, wie lange wir da gewartet hatten. Es kam mir wie eine Ewigkeit vor. Auf einmal klingelte mein Handy! Der Typ hielt seine Pistole auf meine Stirn und rief:
„Gib’s her!“
Ich gab ihm mein Handy. Er schaute auf das Display und fragte:
„Wer ist Paula?“
„D-das ist eine Freundin von mir“, stotterte ich. Er machte mein Handy aus. Dann ging das Warten weiter, bis schließlich das Handy des Fahrers klingelte. Er schaute dann über die Rückenlehne zu mir herab und fragte:
„Hast du ein Auto hier?“
„J-j-ja, h-hab’ ich.“
„Her mit dem Schlüssel! (Zu seinem Komplizen) Wir sollen jetzt zu Sievers fahren, dann ins Versteck.“
Die Fahrt ging weiter. Nach ein paar Minuten hielten wir wieder an, der Fahrer zog sich einen Strumpf über den Kopf und stieg aus. Auf einmal öffnete er die seitliche Schiebetür und ich sah, dass wir vor einem Haus standen. Vor dem Haus stand noch jemand. Ich sollte ihm sagen, wo ich mein Auto geparkt hatte.
„Gut, Kleine! Ich hoffe, dass deine Freundin Paula nicht so dumm ist, uns nachzuspionieren!“ sagte der vermummte Fahrer dann.
„Ihr habt keine Chance! Paula wird mit der Polizei kommen!“ rief ich. Der Fahrer stieg wieder ein und wir fuhren weiter...

„...Nach einer längeren Fahrt hielten wir auf einem Schrottplatz an und der Fahrer und der andere Typ schleppten mich in eine alte Lagerhalle und den Rest kennst du ja, Paula.“
„Aber ich kenne den Rest nicht“, sagte Tracy. Ich erzählte Tracy noch von der Jugendbande und dem Polizeieinsatz.

Auf einmal kam Hansi herein und sagte:
„So, die Damen! Zur Feier des Tages hab’ ich für uns einen Tisch beim Griechen reserviert. Paula, dein Freund ist natürlich auch willkommen!“
...

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peter5886 Offline

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Beiträge: 1.078

22.10.2010 17:15
#39 Folge 18: Der Prozess Zitat · antworten

Seit den Geschehnissen rund um Glanztempel waren einige Wochen vergangen. Über die missglückte Razzia wurde natürlich in der Zeitung berichtet, aber danach wurde es ruhig. Vermutlich möchte die Polizei aus ermittlungstechnischen Gründen keine weiteren Informationen preisgeben.

Das Wintersemester hatte bereits angefangen, mein letztes Semester! Heute wurden die Noten der Seminararbeiten bekannt gegeben, da meine besser als 4,0 bewertet war, erfüllte ich nun gemäß Prüfungs- und Studienordnung alle Voraussetzungen, um meine Bachelorarbeit in Angriff zu nehmen. Mir stand also ein anstrengendes Semester bevor! Es kam mir deshalb sehr gelegen, dass Maikes Vater aus Dankbarkeit den Semesterbeitrag und die Studiengebühr für mich übernommen hatte.

Als ich mit den Anmeldeformularen für meine Bachelorarbeit im Wohnheim ankam, fand ich einen Brief vom Amtsgericht vor meiner Zimmertür. Ich hatte ihn gerade aufgehoben, als Maike um die Ecke kam und fragte:
„Hi, Paula! Hast du auch einen Brief vom Gericht bekommen?”
„Ja, es geht bestimmt um die Betrüger”, sagte ich.
„Ja, stell’ dir vor, die Polizei hat einen von den Verbrechern geschnappt, die mich und Arno entführt hatten! Ich wurde als Zeugin vorgeladen!”
„Aha! Mal sehen, was die von mir wollen”, sagte ich, öffnete den Brief und las.
„Und?” fragte Maike ungeduldig.
„Nun lass mich doch erst mal lesen! — Gut, dass ich BWL studiere, sonst würde ich dieses Behördendeutsch kaum verstehen. Ich soll auch als Zeugin aussagen. Der Prozess ist in zwei Wochen.”
„Klasse! Die machen wir fertig!” rief Maike.
Ich rief sofort im Amtsgericht an, um den Termin zuzusagen. Am Folgetag kam es jedoch zu einem Ereignis, dass meine anfängliche Bereitschaft dämpfte...

Ich saß vor dem Büro des Professors, der meine Bachelorarbeit betreuen sollte, um meinen Themenvorschlag einzureichen, als plötzlich mein Handy klingelte; es war Arno. Ich wunderte mich schon etwas und nahm den Anruf an:

„Hallo?“
„Hallo, Paula. Du darfst nicht aussagen!“ (Arnos Stimme klang sehr verzweifelt und unsicher.)
„Wieso? Was ist denn los?“
„Die haben meinen Sohn entführt! Wenn ich zur Polizei gehe oder du aussagst, werde ich ihn nie wieder sehen!“
...

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peter5886 Offline

Admin


Beiträge: 1.078

27.11.2010 16:23
#40 Folge 19: Angst Zitat · antworten

Ich war in der Lagerhalle, aber als ich versuchte mich zu bewegen, bemerkte ich, dass ich an den Stuhl gefesselt war. Vor mir standen Arno und eine vermummte Person, die eine Pump Gun in den Händen hielt.
„Warum hast du das getan, Paula? Ich habe dir vertraut. Du bist daran Schuld, dass ich meine Frau und meinen Sohn nie wieder sehen werde”, sagte Arno mit düsterem Blick.
„Aber ich habe nicht ausgesagt! Bitte mach' mich los!” wimmerte ich. Da sah ich Kommissar Lehmann hereinkommen.
„Herr Kommissar, bitte helfen Sie mir!” schrie ich.
„Frau Müller, ich sagte doch, dass Sie das Profis wie uns überlassen sollten. Das ist Ihre eigene Schuld! Von mir können Sie keine Hilfe erwarten!”
Ich schaute die vermummte Person an. Da wo ihre Augen in den Ausschnitten der Strumpfmaske zu sehen sein sollten, war nur schwarze Leere. Er erhob seine Pump Gun und sagte:
„Weißt du, welchen Nachteil es hat dich umzulegen? Ich kann es nur einmal tun!”
Daraufhin lud er seine Pump Gun durch, zielte auf mein Gesicht und...

„Nein! Bitte nicht!” schrie ich.
„Was ist denn los, Paula? Was schreist du so 'rum?” fragte Christian mit verschlafener Stimme und knipste das Licht an.
„Ich habe 'was ganz schlimmes geträumt”, sagte ich, ich war noch immer ganz aufgelöst.
„Gestern abend warst du auch schon so neben der Spur und wolltest nicht mit mir reden und nun dieser Albtraum. Was ist los mit dir?” fragte Christian.
„Ich kann vor Gericht nicht aussagen”, sagte ich.
„Lass dich nicht einschüchtern. Es gibt doch Zeugenschutzprogramme.”
„Es geht nicht um mich”, sagte ich und erzählte Christian von Arnos Anruf.
„Verdammt! Diese Gauner! Wir werden schon eine Lösung finden”, sagte Christian.
„Wie denn? Wenn wir weder der Polizei noch dem Gericht etwas sagen dürfen?” fragte ich verzweifelt.
„Leg' dich erstmal wieder hin und beruhig' dich. Ich werde mir etwas einfallen lassen”, sagte Christian.
...

Uhrzeit

Nicki Little Offline




Beiträge: 814

29.11.2010 16:37
#41 RE: Folge 19: Angst Zitat · antworten

die folgenden tage zogen sich wie kaugummi. nachts fand ich kaum schlaf und in den vorlesungen bekam ich nur die hälfte mit. ich überlegte mir, ob ich nicht einfach die koffer packen und abhauen sollte. aber andererseits war mir schon klar, dass wenn ich den gerichtstermin versemmeln würde, einige äußerst unschöne konsequenzen auf mich warten würden. die einzige lösung die ich sah, war mich dumm zu stellen und zu hoffen, dass der Prozess schnellstmöglich vorbei gehen würde.

die ganze sache steigerte sich noch weiter so sehr, dass ich nachts schon keinen schlaf mehr fand. ich ließ mich erst einmal vom arzt krankschreiben, damit ich nicht auch noch in die vorlesungen musste. jedesmal wenn ich eingenickt war, sah ich diese leeren schwarzen augenhöhlen und dann hörte ich den mark und beinerschütternden knall der schortflinte. die zeiten in denen ich waach war, versuchte ich, an meiner arbeit weiter zu schreiben. aber jedes mal wenn ich ein paar sätze glaubte fertig zu haben, merkte ich, dass ich wieder total den faden verloren hatte.

als ich dann am tag des prozesses ins gerichtsgebäude kam war ich das reinste wrack. ich hatte zimlich abgenommen, war eher blass, da ich nicht mehr an der sonne war und mussste auf meine umwelt wohl etwas desorientiert gewirkt haben.

das gerichtsgebäude an sich machte die sache nicht besser es war ein alt ehrwürdiges großes gebäude mit einem schwarz weiß gefliesten marmorboden, der flur auf dem wir auf unseren aufruf warteten war so breit, dass man auf den marmorfliesen durchaus hätte riesenschach spielen können. - zu blöd dass ich meinen 90 cm schachfigurensatz vergessen hatte :-)

die warterei machte mich dann richtig kirre. als ich dann endlich aufgerufen wurde, schlug mir das herz bis zum hals. - gleich ists vorbei, gleich vorbei, gleich vorbei.... dachte ich nur so bei mir und schirtt die flache treppe die entlang des hölzernen podeoums wie eine schneise den weg zum zeugenstuhl wies hinunter. als ich etwa auf halber höhe war, machte einer der zuschauer im saal eine handgeste, die ich eindeutig als ein "ich hab dich im auge" erkannte. ich erkannte den mann nicht, jedoch war ich mir in zwei sachen sicher. ich hatte ihn noch nie gesehen, aber er gehörte zu der bande. das spürte ich.

nach dem ich also vergeblich versucht hatte micn dumm zu stellen und der richter damit drohte mich vereidigen zu wollen, packte ich schließlich aus. kaum hatte ich angefangen, sprach der richter ins Publikum "würden sie bitte ihr Mobiltelefon ausschalten?" als auf die 2. und 3. ermahnung, die schon mti 100 € ordnungsgeld bewährt war, keine reaktion einsezte, sagte er nur "gerichtsdiener..." mehr brauchte er nicht zu sagen. nun wurde ich doch neugierig. als ich dann sah, wie wie der gerichtsdiener dem mann vor dem ich eben schon angst hatte, versuchte das handy abzunehmen, bekam ich endgültg angst... ich schrie laut NEEEEEEIIIIIIN !!!!!

aber dieses eiskalte arschloch sagte nur: "zu spät" und grinste dabei dreckig. das näcchste woran ich mich errinnerte war, dass ich auf dem rücken lag. über mir der gewaltige antike messingkronleuchter und der gerichtsdiener hielt meine beine in den händen. neben mir kniete ein sanitäter und fühlte meinen Puls... geht es wieder?

fragte er. dann beugte der richter sich übermich. "ich denke wir werden erst einmal vertagen" sagte er. dann riet er mir, dass ich zur beobachtung ins krankenhaus komme. der krankenwagen sei schon unterwegs sagte er mir...

Wir haben auf www.nylonmedia.de renoviert... ein paar neue Funktionen und demnächst gibts wieder mal neue bilder...

peter5886 Offline

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20.12.2010 11:40
#42 Folge 20: Geiselnahme Teil 1 Zitat · antworten

Als der Sanitäter mich aus dem Gerichtssaal hinaus auf den Flur führte, sprang Christian, der dort auf mich wartete, von der Bank auf und fragte:
„Was ist passiert?”
„Die Dame hatte einen Ohnmachtsanfall. Jetzt kein Interview! Kommen Sie zur Pressekonferenz!”
„Ich bin kein Reporter, ich bin ihr Freund! (zu mir) Paula, geht's wieder?”
„Ich bin noch wackelig auf den Beinen. Ich soll erstmal ins Krankenhaus”, antwortete ich.
„In die Uniklinik? (Der Sanitäter nickte.) Gut! Ich komme mit, ich bin Medizinstudent.”

Der Krankenwagen stand bereits vor dem Eingangsportal. Während der Fahrt kontrollierte Christian meinen Blutdruck, während ein Sanitäter mit dem Krankenhaus telefonierte.
„RR 80/60, ein bisschen niedrig. Wahrscheinlich ist das der Grund für deine Synkope”, sagte Christian.
„RR? Synkope? Ich versteh' nur Bahnhof”, sagte ich.
„RR steht für ‚Riva-Rocci’, der Erfinder der Blutdruckmanschette. Synkope ist der medizinische Fachbegriff für Ohnmacht.”
„Danke, Doktor! Wenn Sie mich noch weiter verwirren, bekomme ich bestimmt noch so ein Syn-Dingsda.”
„Paula, ich glaube, du brauchst einfach Ruhe und solltest mal wieder ordentlich essen. Wir werden dich schon wieder hochpeppeln!”

Auf einmal bremste der Krankenwagen scharf und draußen brüllte jemand:
„Aussteigen! Hände hoch!”
Hinter uns hupten Autos.
„Nein! Hört dieser Albtraum denn nie auf?” stöhnte ich.
„Wir müssen hier weg!” flüsterte Christian. Vorsichtig öffnete er die hinteren Türen, der Sanitäter folgte ihm. Ich stand langsam von der Liege auf und schaute angespannt in Richtung Tür.

Wir standen mitten auf der Hauptstraße, hinter uns staute es sich.
„Los, Paula! Du zuerst! Versteck' dich sofort zwischen den Autos hinter uns!” flüsterte er.
„Und was ist mit dir?” fragte ich.
„Mach dir um mich keine Sorgen!”
Ich schlich aus dem Krankenwagen und versteckte mich. Nachdem auch der Sanitäter hinausgeschlichen war und Christian gerade aussteigen wollte, eilte eine vermummte Person um den Wagen herum, hielt Christian eine Pistole vor's Gesicht und sagte:
„Los! Zurück!”
Christian wich zurück in den Krankenwagen, der Vermummte stieg auch ein, dann fuhr der Krankenwagen los. Der Fahrer des Krankenwagens, den die Verbrecher zum Aussteigen gezwungen hatten, kam zu uns und fragte:
„Alles in Ordnung?”
„Die haben meinen Freund!” schluchzte ich.
...

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peter5886 Offline

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29.12.2010 16:23
#43 Folge 20: Geiselnahme Teil 2 Zitat · antworten

Kurze Zeit später war die Polizei vor Ort, Kommissar Lehmann übernahm die Leitung der sofort eingeleiteten Ringfahndung.

Ich wurde von einem Streifenwagen ins Universitätsklinikum gebracht, wo ich in einem Behandlungszimmer auf der Station für innere Medizin von einer Schwester und einem Arzt untersucht wurde.
„Frau Müller, ihr Puls rast ja. Doktor, sehen Sie sich die Werte an”, sagte die Schwester, die meine Vitalwerte überprüfte.
„Frau Müller, Sie sind jetzt in Sicherheit. Kein Grund zur Sorge”, sagte der Arzt.
„Mein Freund wurde entführt. Vielleicht kennen Sie ihn. Er studiert hier, Christian Mewes.”
„Ja, den kenne ich noch. Er hat vor einem Jahr seine Famulatur bei uns gemacht. Ich werde mal in der psychiatrischen Ambulanz anrufen. Ich glaube, nach so einem traumatischen Erlebnis wird ein Gespräch mit einem Psychiater Ihnen bestimmt helfen.”

Als der Arzt gerade das Behandlungszimmer verlassen wollte, ging die Tür auf und ein Polizist kam herein, er sagte:
„Guten Tag! Kommissar Lehmann schickt mich. Frau Müller muss sofort mit mir mitkommen!”
„Vom ärztlichen Standpunkt aus wäre das unverantwortlich! Frau Müller hat heute einen Kreislaufkollaps erlitten und sie ist traumatisiert”, sagte der Arzt.
„Kommissar Lehmann hat Sie geschickt? Was ist denn los?” fragte ich.
„Die Entführer drohen Ihren Freund umzubringen, wenn Sie nicht bis 15 Uhr da sind”, antwortete der Polizist (Bis 15 Uhr waren es noch etwa 45 Minuten.).
„Doktor, ich muss dahin!” sagte ich.
„Unter den gegebenen Umständen — na gut, aber ich übernehme keinerlei Verantwortung”, sagte der Arzt widerwillig.

Ich ging mit dem Polizisten mit. Mit seinem Streifenwagen fuhren wir vom Klinikgelände.
„Wo fahren wir denn hin?” fragte ich.
„Wir müssen in die Freiherr-von-Musterhausen-Kaserne. Die Entführer haben sich da in einem Gebäude verschanzt.”
„In der Bundeswehr-Kaserne am Stadtrand?” fragte ich ungläubig.
„Ja, nachdem die den Krankenwagen entführt hatten, gab es eine wilde Verfolgungsjagd quer durch die Stadt, die schließlich in der Kaserne endete.”

Als wir an der Einfahrt der Kaserne ankamen, wurde der Schlagbaum angehoben und ein Soldat, der mit einem G36-Sturmgewehr bewaffnet war, winkte uns gleich durch. Ich sah, dass der Schlagbaum auf der Gegenfahrbahn abgeknickt am Fahrbahnrand lag. Offenbar war der entführte Krankenwagen da durchgebrochen.
Wir fuhren eine Weile durch das weitläufige Kasernengelände, bis wir an einer gesperrten und bewachten Querstraßen anhielten.
„Wir müssen jetzt zu Fuß weiter”, sagte der Polizist. Wir gingen zu einem VW-Bus der Polizei, der am Straßenrand geparkt war. Vor dem VW-Bus stand der Krankenwagen mit demolierter Front. Neben dem Polizei-Bus stand Kommissar Lehmann zusammen mit weiteren Polizisten und zwei Soldaten.
„Ah, Frau Müller! Gut, dass es so schnell ging!” sagte der Kommissar.
„Geht es Christian gut?” fragte ich besorgt.
„Ja, wir stehen in ständigem Kontakt mit den Entführern”, sagte der jüngere der beiden Soldaten, der eine silbergraue, geflochtene Schulterschnur über der rechten Schulter trug, „ich bin Leutnant Krafft, ich bin OvWa*. Ich habe angeordnet, das Gebäude zu umstellen und die Ausgänge und Fenster zu sichern.”
„Ich bin Oberstleutnant Ohrner, ich bin stellvertretender Bataillonskommandeur”, sagte der ältere Soldat, „wir werden alles in unserer Macht stehende tun, um diese Geiselnahme schnellstmöglich zu beenden, ohne dass irgendjemand zu Schaden kommt.”
„Wo ist denn dieses Gebäude?” fragte ich.
„Gleich da vorne! Das ist die Kantine”, sagte der Kommissar und zeigte auf ein zweistöckiges Gebäude auf einer kleinen Anhöhe etwa 50 Meter von uns entfernt.
Auf einmal kam ein Soldat — etwa in meinem Alter — von der Anhöhe heruntergelaufen. Er trug eine Splitterschutzweste und eine weiße Armbinde mit dem schwarzen Aufdruck „Wache”. Er ging mit Front zum stellvertretenden Bataillonskommandeur in die Grundstellung, grüßte und sagte:
„Herr Oberstleutnant! Hauptgefreiter Michelsen, ich melde mich in einer dienstlichen Angelegenheit!”
Der stellvertretende Bataillonskommandeur erwiderte den Gruß und befahl:
„Rühren! Vortragen!”
Der Hauptgefreite nahm eine bequemere Körperhaltung ein und sagte:
„Wir haben die Anzahl der sich in der Truppenküche befindlichen Personen festgestellt. Neben den beiden Entführern und der zivilen Geisel konnten drei Rekruten und ein Zugsoldat aus der 4.Kompanie aufgeklärt werden.”
„Sehr gut! Melden Sie den Entführern und den anderen Wachsoldaten, dass Paula Müller da ist! Ausführung!” befahl der stellvertretende Bataillonskommandeur.
„Ja wohl! (Der Hauptgefreite ging wieder in die Grundstellung.) Hauptgefreiter Michelsen, ich melde mich ab!”
Nach einem erneuten militärischen Gruß drehte sich der Hauptgefreite nach links um und rannte wieder zurück zum Gebäude.

„Ich bin froh, dass die zivilen Mitarbeiter der Truppenküche das Gebäude frühzeitig durch den Notausgang verlassen konnten”, sagte der OvWa.
„Und wie soll's jetzt weitergehen?” fragte ich, mein Herz schlug mir bis zum Hals.
...

* OvWa = Offizier vom Wachdienst

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peter5886 Offline

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12.10.2013 10:38
#44 Ende der Geschichte Zitat · antworten

Eigentlich wollte ich hier noch eine Fortsetzung schreiben, in der ich militärische Interventionen im Zusammenhang mit der Geiselnahme und den militärischen Dienstalltag thematisieren wollte. Da anzunehmen ist, dass dies wieder kritische Diskussionen verursachen würde, lasse ich es bleiben und ziehe hier einen Schlussstrich.

Die Geschichte wird in Form einer neuen interaktiven Geschichte fortgesetzt.

Peter

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